KGV mal KBV: das Produkt nach Graham
Was das Produkt aus KGV und Kurs-Buchwert-Verhältnis misst, woher die Schwelle von 22,5 stammt, wie du es aus einem Geschäftsbericht berechnest, Fallstricke und Ausnahmen.
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Definition
Das Produkt aus KGV und Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) verbindet zwei Bewertungsmaße zu einem einzigen. Es lässt ein etwas höheres KGV zu, wenn die Aktie gemessen am Eigenkapital günstig ist, und ein höheres KBV, wenn das KGV niedrig ist. So verhindert es, dass ein Unternehmen aussortiert wird, das nur knapp an einer der beiden Schwellen scheitert.
Formel
KGV × KBV = (Kurs / Ergebnis je Aktie) × (Kurs / Buchwert je Aktie)
Wo es im Geschäftsbericht steht
Das Ergebnis je Aktie steht unten in der Gewinn- und Verlustrechnung. Den Buchwert je Aktie berechnest du aus dem den Aktionären des Mutterunternehmens zurechenbaren Eigenkapital der Bilanz, geteilt durch die Zahl der ausstehenden Aktien aus dem Anhang zum gezeichneten Kapital. In der App gibst du die beiden Kennzahlen ein, und das Produkt berechnet sich von selbst.
Übliche Schwellenwerte
Value: höchstens 22,5 für Grün, bis 30 für Orange, Rot darüber. Die Schwelle von 22,5 stammt aus dem Werk von Benjamin Graham, der sie durch Multiplikation eines KGV von 15 mit einem KBV von 1,5 erhält. Sie zielte auf Industrieunternehmen mit greifbarem Vermögen und erweist sich an den heutigen Märkten als sehr streng.
In den voreingestellten Strategien
| Voreingestellte Strategie | Kriterium erfüllt | Zu beobachten | Kriterium nicht erfüllt |
|---|---|---|---|
| Value (berechnet) KGV × Kurs-Buchwert-Verhältnis | 0 bis 22,5 | 22,5 bis 30 | > 30 oder < 0 |
Fallstricke
- Das Produkt erbt die Fallstricke seiner beiden Bestandteile: Sondergewinne, immaterielle Werte, die nicht in der Bilanz stehen, durch Rückkäufe verringertes Eigenkapital.
- Ein niedriges Produkt kann von einer einzigen extremen Kennzahl kommen: Ein KBV von 0,4 bei einem KGV von 50 ergibt 20, ohne dass das Unternehmen gemessen am Gewinn günstig wäre.
- Die Schwelle von 22,5 stammt aus einer Zeit, in der Unternehmen mehr greifbares Vermögen hatten: Unverändert auf Dienstleistungsunternehmen angewendet, sortiert sie fast alle aus.
Wo es nicht passt
- Unternehmen, deren Wert vor allem immateriell ist (Software, Marken, Dienstleistungen): Ihr KBV ist strukturell hoch.
- Unternehmen mit Verlust oder negativem Eigenkapital: Eine der beiden Kennzahlen ergibt keinen Sinn.
Ein Rechenbeispiel
Ein fiktives Unternehmen, hier Unternehmen W genannt, hat ein KGV von 13 und ein KBV von 1,6. Beim KBV allein überschreitet es die grüne Schwelle von 1,5. Das Produkt beträgt 13 × 1,6 = 20,8: Unter 22,5 bleibt es grün, weil das niedrige KGV ausgleicht.
Warum ein Produkt
Die beiden Kennzahlen messen dasselbe aus zwei Blickwinkeln: was man zahlt im Verhältnis zu dem, was das Unternehmen verdient, und im Verhältnis zu dem, was es besitzt. Sie zu multiplizieren, erlaubt eine Abwägung zwischen beiden. Siehe die Einträge KGV und Kurs-Buchwert-Verhältnis.
Quellen
- Benjamin Graham, Werk „Intelligent investieren“ (Kriterien des defensiven Anlegers)
- Geschäftsberichte börsennotierter Unternehmen (Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz)