Nicht anwendbare Kriterien: Banken, Versicherungen, Immobilien
Wann du „Nicht anwendbar“ ankreuzt, welche Kennzahlen für Banken, Versicherungen und Immobiliengesellschaften nicht gelten und wie du eine passende Strategie anlegst.
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Was das Kästchen „Nicht anwendbar“ bewirkt
Jedes Kriterium einer Analyse hat ein Kästchen „Nicht anwendbar“. Ist es angekreuzt, fällt das Kriterium aus dem Score und aus dem Fortschritt: Es zählt weder als grün noch als rot, und die Analyse kann ohne es vollständig sein. Die Übersicht zeigt es mit einem eigenen Punkt an.
Das Kästchen ist für Fälle gedacht, in denen die Kennzahl für das Unternehmen keinen Sinn ergibt, nicht für Fälle, in denen die Zahl nur schwer zu finden oder enttäuschend ist. Ein schlechtes Kriterium bleibt rot.
Warum manche Branchen Probleme bereiten
Die voreingestellten Strategien sind für Industrie-, Handels- oder Dienstleistungsunternehmen gedacht, deren Abschlüsse das Geschäft und seine Finanzierung klar trennen. Drei Gruppen von Unternehmen passen schlecht hinein.
Banken
Für eine Bank sind Schulden der Rohstoff: Sie leiht sich Geld (Einlagen, Kapitalmärkte), um Kredite zu vergeben. Ihre Gewinn- und Verlustrechnung weist weder Umsatzkosten noch ein vergleichbares operatives Ergebnis aus, und ihre Bilanz trennt kurz- und langfristige Posten nicht. Nicht anwendbar sind: Bruttomarge, operative Marge, Nettoverschuldung / EBITDA, Liquidität 3. Grades, EV/EBIT, ROIC und alles, was auf dem FCF beruht.
Versicherungen
Eine Versicherung nimmt Prämien ein, bevor sie Schäden bezahlt, manchmal Jahre später. Ihre Zahlungsströme vermischen das Geschäft mit den Kapitalanlagen. Nicht anwendbar sind dieselben Kriterien wie bei einer Bank.
Immobiliengesellschaften
Eine Immobiliengesellschaft besitzt Gebäude, die sie vermietet. Die Abschreibung der Gebäude senkt ihren Buchgewinn ohne Geldabfluss, und ihre Schulden sind durch ihre Immobilien besichert. KGV und eine auf den Gewinn berechnete Ausschüttungsquote lassen sie teurer und großzügiger erscheinen, als sie ist. Die Kennzahl Nettoverschuldung / EBITDA ist bei ihr strukturell hoch.
Ein Beispiel
Du füllst eine Analyse mit der voreingestellten Strategie Value für eine fiktive Bank aus, hier Bank A genannt. Du trägst das KGV, das Kurs-Buchwert-Verhältnis, ihr Produkt und die Sicherheitsmarge ein. Bei EV/EBIT, FCF-Rendite, Liquidität 3. Grades, Nettoverschuldung / EBITDA und dem Score der finanziellen Solidität kreuzt du „Nicht anwendbar“ an. Der Score wird aus den übrigen Kriterien berechnet. Er ist nützlich, beruht aber auf weniger Kriterien: Denk daran, wenn du ihn mit dem eines Industrieunternehmens vergleichst.
Besser: eine passende Strategie
Wenn du mehrere Banken oder Immobiliengesellschaften verfolgst, lege eine eigene Strategie an, statt bei jeder Analyse dieselben Kästchen anzukreuzen. Dupliziere eine voreingestellte Strategie, entferne in deiner Kopie die unpassenden Kriterien und füge die der Branche hinzu:
- Banken und Versicherungen: die Eigenkapitalrendite (ROE), das Kurs-Buchwert-Verhältnis, die im Geschäftsbericht veröffentlichte Solvenzquote und die Ausschüttungsquote.
- Immobiliengesellschaften: der Kurs im Verhältnis zum Nettovermögenswert (NAV), die Schulden im Verhältnis zum Immobilienwert, die Vermietungsquote und eine am operativen Cashflow gemessene Ausschüttungsquote.
Die Anleitung Eine voreingestellte Strategie anpassen beschreibt das Vorgehen im Detail.
Quellen
- Geschäftsberichte börsennotierter Unternehmen
- IFRS Foundation, internationale Rechnungslegungsstandards